Unpaid Care Work mit dem 1. Vereinbarkeit.jetzt-Award ausgezeichnet

14.11.2025, Petra Bitter.

Wir haben gewonnen! Platz 1 in der Kategorie Top NGO/Verein

Wolfram Kons überreicht Franziska Büschelberger und Katrin Fuchs den Vereinbarkeits.jetzt-Award

Am 14. November 2025 wurde der erste Vereinbarkeit.jetzt-Award bei RTL in Köln verliehen. Die Auszeichnung würdigt Unternehmen, Organisationen und Menschen, die Vorbilder in der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Care-Arbeit sind. Wir sind stolz, gemeinsam mit den gesellschaftlich so wichtigen Organisationen Granny Angels und SOLOMÜTTER unter den Top 3 gewesen zu sein – und nun in der Kategorie Top NGO/Verein den 1. Platz erhalten zu haben.

„Wie schön zu sehen, was aus einer scheinbar kleinen Idee für eine große Welle auf LinkedIn und darüber hinaus wurde,“ schreibt Nadine Quosdorf, die Intitiatorin von Vereinbarkeit.jetzt, auf LinkedIn. „Wenn es nicht Menschen wie euch gäbe – Menschen, die nicht nur über fehlende Vereinbarkeit klagen, sondern mit Mut, Vision und Leidenschaft nach Lösungen suchen, dann wären wir heute sicher nicht an dem Punkt, an dem wir in Sachen Vereinbarkeit stehen.“

Gruppenfoto mit der Top 3 in der Kategorie Top NGOO/Verein mit Sara Buschmann, Franziska Büschelberger, Katrin Fuchs, Jana Schandua, Wolfram Kons, Nadine Quosdorf

Von links: Sara Buschmann von SOLOMÜTTER, Franziska Büschelberger und Katrin Fuchs von Unpaid Care Work, Jana Schandua von Granny Angels, Laudator Wolfram Kons, Initiatorin Nadine Quosdorf

Die Laudatio

Tief bewegt und dankbar möchten wir auch diese Worte von Journalist und Moderator Wolfram Kons* mit euch teilen:

Manchmal sind es gerade die Dinge, die wir NICHT sehen, die unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhalten. Und es gibt eine Form von Arbeit, die jeden Tag Millionen Menschen leisten – ohne Vertrag, ohne Gehaltsabrechnung und oft ohne Anerkennung. Und doch wäre ohne sie kein Beruf, keine Karriere, kein Familienleben möglich.

Ich spreche von der unbezahlten Sorgearbeit. Vom Kümmern. Vom Trösten. Vom Pflegen. Vom Organisieren. Sie wird täglich millionenfach geleistet, aber viel zu selten anerkannt.

Und jetzt frage ich euch:
Wer hat das Gefühl, dass er oder sie in den letzten Jahren auch schon mal einen „Fulltime-Job" zu Hause gemacht hat – ohne Gehaltszettel am Monatsende? Genau. Ihr seid nicht allein. Und doch wird diese Arbeit bis heute viel zu oft als „privates Problem" behandelt. Dabei ist sie nichts weniger als ein zentrales Gerechtigkeits- und Vereinbarkeitsthema. Denn nur wer den Wert der eigenen Arbeit erkennt, kann ihn auch selbstbewusst einfordern – in der Familie, im Job und im gesellschaftlichen Diskurs.

Die Initiative, die wir heute ehren, hat genau dafür ein starkes Symbol geschaffen: Sorgearbeit ist Arbeit – Punkt. So wichtig, dass sie einen Platz im Lebenslauf verdient.

Und wie haben sie das gelöst?

So einfach wie genial – sie haben sich als Arbeitgeber auf LinkedIn gelistet. Plötzlich können Eltern ihre Erziehungszeiten, Pflegende ihre Care-Jahre, Menschen ihre Familienorganisation genauso angeben wie ein Praktikum oder einen Managementposten. Und das verändert etwas: im Kopf derer, die es eintragen. Im Blick derer, die Lebensläufe lesen. Und in unserer gesamten Diskussion über Vereinbarkeit.

Heute folgen dieser Initiative über 18.524 Menschen online, ihre Beiträge regen zum Nachdenken an, schaffen Gemeinschaft, geben Sprache für etwas, das sonst sprachlos macht.

Ihr seid viele!

Und sie stärken all jene, die oft das Gefühl haben: „Das, was ich tue, zählt gar nicht." Doch es zählt! Es hält unsere Gesellschaft am Laufen. Es ist systemrelevant.

Und deshalb freue ich mich, im Rahmen des 1. Vereinbarkeit.Jetzt-Awards den Preis in der Kategorie Top NGO/Verein an Unpaid Care Work zu überreichen.

Unpaid Care Work macht sichtbar, dass unbezahlte Sorgearbeit also das Kümmern, Pflegen, Erziehen, Organisieren - eine tragende Säule unserer Gesellschaft ist, aber bis heute weder ausreichend anerkannt, abgesichert noch gerecht verteilt wird. Die strukturelle Abwertung dieser Arbeit betrifft vor allem Frauen und verhindert echte Vereinbarkeit. Nur ein Beispiel für das, was ihr auslöst, was ihr über eure Arbeit erzählt:

„Im Frühjahr 2024 meldete sich eine alleinerziehende Mutter bei uns, die über einen unserer Beiträge auf LinkedIn auf das Thema ‚unsichtbare Arbeit' aufmerksam geworden war. Sie schrieb, dass sie zum ersten Mal Worte für das fand, was sie täglich leistet – und dass sie plötzlich verstand, dass ihre Erschöpfung kein persönliches Versagen ist, sondern Ausdruck eines strukturellen Problems. Durch den Austausch in unserer Community fühlte sie sich nicht mehr allein. Sie begann, ihre Care-Arbeit im Gespräch mit ihrem Arbeitgeber zu benennen, forderte flexible Arbeitszeiten ein – und wurde gehört. Heute engagiert sie sich selbst für mehr Sichtbarkeit von unbezahlter Sorgearbeit in ihrem beruflichen Umfeld.

Erfahrungen wie diese werden uns regelmäßig mitgeteilt. Das ist die Besonderheit von Unpaid Care Work. Wir arbeiten bottom-up und werden nicht dadurch erfolgreich sein, dass wir Gesetze verändern. Wir verändern die Haltung der Menschen, die dann bottom-up in ihren Familien, bei ihren Arbeitgebern, in ihrem politischen Wirkungskreis für Veränderung sorgen."

Auf den Punkt gebracht: Ihr macht eine gesellschaftliche Schieflage sichtbar.

Unpaid Care Work steht für einen Perspektivwechsel: Ihr betrachtet Vereinbarkeit nicht als individuelles Organisationsproblem, sondern als strukturelle Gerechtigkeitsfrage. Ihr schafft Bewusstsein für das Unsichtbare – für die unbezahlte Sorgearbeit, die unsere Gesellschaft am Laufen hält und dabei oft ignoriert oder abgewertet wird.

Ihr setzt auf Wirkung von unten nach oben. Statt auf politische Lippenbekenntnisse zu warten schafft ihr Räume, in denen Veränderung beginnt.

Herzlichen Glückwunsch an Unpaid Care Work. Herzlichen Glückwunsch an Franziska Büschelberger und Katrin Fuchs.

Danke an Vereinbarkeit.jetzt für die Bühne, die Sichtbarkeit und die Wertschätzung

Vereinbarkeit.jetzt ist nach eigenen Worten eine „kleine Initiative mit großen UnterstützerInnen“. Durch die wundervolle Medienkooperation mit den Magazinen desired und Familie.de der Ströer-Gruppe sind eine Woche lang die Gewinnerinnen und Gewinner des 1. Vereinbarkeit.jetzt-Awards auf Ströer-Displays zu sehen – deutschlandweit! So zum Beispiel am Kölner Hauptbahnhof:

Ströer-Display am Kölner Hbf mit Katrin Fuchs und Franziska Büschelberger

*Über Wolfram Kons

Wolfram Kons ist Journalist, Fernsehmoderator und langjähriger Charity-Botschafter bei RTL. Seit vielen Jahren engagiert er sich für soziale Projekte und setzt sich insbesondere für Familien, Kinder und gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Sein Wirken wurde mehrfach ausgezeichnet.

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