Alarmierend: Make Mothers Matter veröffentlicht Studie zur Müttergesundheit in Europa

12.07.2025, Franziska Büschelberger.

Die aktuelle Situation von Müttern in Deutschland im europäischen Vergleich

Weißer Schriftzug der Make Mother Matter Studie auf rotem Hintergrund und Bilder von erschöpften Frauen im Vordergrund

Am 9.7.2025 hat die internationale NGO Make Mothers Matter (MMM) auf der „Mothers of Europe Exhibition“ in Köln ihre neue Studie zur Müttergesundheit in Europa veröffentlicht. Befragt wurden 9.600 Mütter aus 11 EU-Ländern und UK, davon 800 aus Deutschland.

Das erfährst du in diesem Beitrag:

Hintergrund der Studie

Mutterschaft ist ein gesellschaftlich und politisch relevantes Thema, für das bislang vergleichsweise wenig umfassende und vor allem keine länderübergreifenden Daten vorliegen. Der Mangel an detaillierten Informationen über die Lebensrealitäten von Müttern erschwert die Entwicklung zielgerichteter politischer und sozialer Maßnahmen, die den vielfältigen Herausforderungen und Bedürfnissen von Müttern gerecht werden.

Vor diesem Hintergrund ließ die internationale Nichtregierungsorganisation Make Mothers Matter (MMM) im Jahr 2024 eine Befragung von 9.600 Müttern aus 11 EU-Ländern* sowie dem Vereinigten Königreich von der Marktforschungs- und Analysefirma Kantar durchführen, darunter 800 Teilnehmerinnen aus Deutschland.
*11 EU-Länder: Belgien, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, Polen, Portugal, Slowakei, Spanien, Schweden

Ziel war es, belastbare und vergleichbare Daten zu gewinnen, um Handlungsbedarfe in Politik, Gesellschaft und Arbeitswelt transparent zu machen.

Die Studie greift folgende zentrale Fragen systematisch auf und möchte damit nicht nur informieren, sondern auch politische Entscheidungsträger, Arbeitgeber und die Gesellschaft insgesamt dazu bewegen, aktiv zu werden – mit dem Ziel, ein gerechteres und unterstützenderes Umfeld für Mütter zu schaffen:

  • Wie gestaltet sich die Realität von Mutterschaft heute?
  • Welche dringenden Herausforderungen sehen sich Mütter gegenüber?
  • Wie können Familien, Arbeitsplätze und die Gesellschaft so gestaltet werden, dass Mütter besser bei der Vereinbarkeit ihrer vielfältigen Rollen unterstützt werden?

Die Ergebnisse der Studie wurden am 9. Juli 2025 in Köln erstmals auf der „Mothers of Europe Exhibition“ in Köln für Deutschland vorgestellt.

Die Mothers of Europe Exhibition ist eine internationale Ausstellung, die Frauen sichtbar macht: Frauen, die in der Geschichtsschreibung bislang fehlten und die mit ihrem Engagement, Mut und ihren Ideen entscheidende Wegbereiterinnen für Demokratisierung, Fortschritt und europäische Integration waren.


Über die internationale NGO Make Mothers Matter

Roter Schriftzug make mother matter

Make Mothers Matter (MMM) ist eine 1947 gegründete internationale Nichtregierungsorganisation mit Konsultativstatus bei den Vereinten Nationen. Die Organisation setzt sich weltweit für die Sichtbarkeit und Stärkung der Position von Müttern ein. MMM verbindet empirische Forschung, politische Interessenvertretung (Advocacy) und internationale Netzwerkarbeit, um familienpolitische Maßnahmen zu verbessern und gesellschaftliche Rahmenbedingungen familienfreundlicher zu gestalten.

MMM arbeitet mit über 40 Mitgliedsorganisationen und Partnern zusammen und erreicht so mehr als 10 Millionen Mütter weltweit. Auf europäischer Ebene engagiert sich MMM unter anderem in Forschungsnetzwerken zu Themen wie postpartaler Depression und Familienunterstützung. Ziel der Organisation ist es, Mütter als zentrale Akteurinnen gesellschaftlicher Entwicklung anzuerkennen und ihre Belange auf internationaler Ebene wirksam zu vertreten.


Ergebnisse der Studie und Einordnung

Für den besseren Vergleich wurden die Daten tabellarisch dargestellt. Da alle Darstellungen ineinander übergreifen, wird im Text öfter zwischen den Tabellen und Abbildungen hin und her gesprungen.

Alarmierend: Über die Hälfte aller Mütter leiden europaweit unter Depressionen, Angstzuständen, Burnout und Mental Load

Im europäischen Durchschnitt geben 67 % der befragten Mütter an, sich mental überlastet zu fühlen (Tab.1). Müdigkeit und Stress zählen dabei europaweit zu den am häufigsten genannten Belastungen.

tabellarische Zusammenstellung der psychische Gesundheit der Mütter in Europa

Für Deutschland liegt dieser Anteil bei 46 % und damit um 21 % niedriger als im europäischen Mittel. Im europäischen Vergleich spüren Mütter in Deutschland sogar am wenigsten mentale Überlastung (Abb.1). Zahlen, die auf den ersten Blick irritieren und die Frage aufwerfen, wie genau Mütter in Deutschland ihre Überlastung tatsächlich angegeben haben. Das deutsche Mutterbild spricht eher dagegen, mentale Belastungen offen zuzugeben.

6 % mehr Depressionen sind gravierend (Tab.1). Die Frage, die sich hier stellt: Wie vergleichbar sind die Daten zwischen den europäischen Ländern? In Deutschland lagen 2024 Psychische Erkrankungen auf Platz 3 der Erkrankungsgruppen, die die meisten Ausfalltage bei der Erwerbsarbeit verursachten - in Deutschland werden Depressionen medizinisch ernst genommen und diagnostiziert. Hier wäre ein europäischer Vergleich wichtig.

Quelle: DAK Psychreport-2025

Balkendiagramm Überlastung der Mütter in Europa

Auffallend ist, dass im europäischen Vergleich 7 % mehr Frauen in Deutschland bereits vor ihrer Mutterschaft in Teilzeit arbeiten (Tab.2). Grund könnte hier das „Hausfrauenmodell“ in den alten Bundesländern sein. Zudem begünstigt das deutsche Ehegattensplitting bereits bei kinderlosen Paaren ein Einkommensgefälle, welches später die Entscheidung für Teilzeitarbeit vergünstigt.

Bezeichnend: Nach dem ersten Kind sinkt in Deutschland der Anteil vollzeitbeschäftigter Mütter um 43 %.

Obwohl im europäischen Durchschnitt 7 % weniger Frauen vor ihrer Mutterschaft in Teilzeit erwerbstätig waren als in Deutschland, gehen im europäischen Schnitt nur 10 % mehr Mütter nach dem ersten Kind in Teilzeit – im Gegensatz dazu sind es in Deutschland 22 %. Die Differenz in Deutschland von 43 % zwischen der Vollzeitbeschäftigung vor der Mutterschaft und nach dem ersten Kind ist bezeichnend.

Tabellarische Zusammenstellung des beruflichen Status in den verschiedenen Lebensphasen im europäischen Vergleich

Ein Grund findet sich in Tab.4: 34 % der Mütter in Deutschland wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, 6 % mehr als im europäischen Vergleich. Interessant wäre hier eine Differenzierung in Ost- und Westdeutschland. Es gibt Studien, die einen großen lokalen Unterschied aufzeigen.

Quellen: Destratis-2018 / WSI-2020 / WSI-2022 / WELT-2023

Da finanzielle Gründe (11 %), fehlende Flexibilität am Arbeitsplatz (8 %) oder Angelegenheiten der Kinderbetreuung (7 %, 8 %) weit dahinter liegen, sollte dieses Ergebnis näher beleuchtet werden – es fehlen Aussagen über systemische Gründe (bspw. Ehegattensplitting) und patriarchale Prägungen.
Die Differenz von 6 % zum europäischen Mittel erklärt sich evtl. darin, dass in Deutschland Familien als Kleinstfamilie (Eltern und Kinder) zusammenleben und Großeltern durch die räumliche Trennung oft nicht in der Nähe sind, während in anderen europäischen Ländern (Italien, Spanien, Portugal, Polen, Slowakei, Tschechien) generationsübergreifendes Zusammenleben in Großfamilien stärker ausgeprägt ist und Großeltern einschließt.
Für die Mütter in Deutschland bedeutet das:
1. schlechtere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und
2. weniger familiäre Bezugspersonen für ihre Kinder.
Interessant wäre ein direkter Vergleich mit den einzelnen Ländern.

Tabellarische Zusammenstellung von Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Arbeitsplätze

Eltern in Deutschland sind größtenteils die einzige familiären Sorgeübernehmenden und die einzigen familiären Bezugspersonen für ihre Kinder, in 24 % fühlen sich Mütter als Pflegeperson (Tab.12).

Mütter in Deutschland, die sich als hauptverantwortlich fühlen und zu 66 % die physischen, emotionalen und pädagogischen Bedürfnisse ihrer Kinder und 71 % bzw. 74 % der greifbaren und immateriellen Haushaltsausgaben übernehmen (Tab.9) bleibt in einer Kleinstfamilie nichts anderes übrig, als ihre Erwerbstätigkeit zu kürzen - bzw. sind sie aufgrund systemischer Gründe (bspw. Ehegattensplitting) und patriarchalen Prägungen gezwungen, den Großteil der familiären Sorgearbeit allein zu leisten.

Mutterschaft hat in Deutschland negative Auswirkungen auf die Arbeit (Tab.3). Welche das sind ist u. a. in Tab.7 zu sehen: Das regelmäßige Gehalt/Einkommen der Mütter in Deutschland sinkt um 46 % und 7 % mehr als im europäischen Vergleich.

Tabellarische Zusammenstellung der Hauptgründe des beruflichen Status nach dem ersten Kind

Werden Angebote zum Wiedereinstieg bereitgestellt und Flexibilität im Beruf ermöglicht, profitiert die Hälfte der Mütter davon (Tab.3). Die andere Hälfte wünscht sich genau diese Möglichkeiten und erhält sie nicht (Tab.6).

Beklemmend: Die Studie unterstreicht den Zwiespalt der Mütter

Der Zwiespalt, den Mütter zwischen Beruf und Familie empfinden, wird durch die Studie unterstrichen: Die mit großem Abstand höchsten Prozente werden europaweit bei „mehr Zeit für die Kinder haben“ und bei „Unzufriedenheit des beruflichen Status“ angegeben (Tab.4). Auch hier wäre ein Ländervergleich interessant.

Ernüchternd: Väterliche Kinderbetreuung für Kinder im Vorschulalter europaweit unterirdisch

Der hohe Anteil der von Müttern übernommenen Haushaltsaufgaben überrascht nicht (Tab.5 und 9). An dieser Stelle ist wichtig zu verstehen, dass die gleichberechtigte Verteilung von Haushaltsaufgaben nichts damit zu tun hat, ob Väter ihren zustehenden Vaterschaftsurlaub in Anspruch nehmen. Es heißt, dass in den skandinavischen Ländern eine hohe Prozentzahl von Vätern Vaterschaftsurlaub nimmt, die übernommenen Haushaltsaufgaben aber nach Beendigung des Vaterschaftsurlaubs dennoch hauptsächlich von der Mutter übernommen werden.

Tabellarische Zusammenstellung der Belastung der Familiendynamik im europäischen Vergleich

Dazu passend, aber entgegen der über die Landesgrenzen hinweg wahrnehmbaren hohen Beteiligung am Vaterschaftsurlaub in Schweden, zeigt Abb.2, dass Väter in Schweden nicht mehr Kinderbetreuung für Kinder im Vorschulalter übernehmen als in Deutschland (rote Linie).

Mit 80 % Zufriedenheit bei der Dauer des Mutterschaftsurlaubs hat Deutschland die Freistellung der Mütter nach der Geburt und die Flexibilität im Umgang damit sehr gut umgesetzt (Tab.5). Im europäischen Vergleich könnten uns Tschechien, Slowakei und Schweden dennoch ein Vorbild sein (Abb.4).

Säulendiagramm über die Kinderbetreuungsangebote im europäischen Vergleich

Stillprobleme scheinen sehr verbreitet. Deutschland liegt dabei im europäischen Vergleich noch einmal 8 % höher (Tab.5).

Mit 57 % fühlen sich nur gut die Hälfte aller Mütter in Deutschland in ihrer Mutterrolle durch die Gesellschaft anerkannt. Italien – ein nach außen sehr kinderfreundliches Land, in dem oft generationsübergreifend zusammengelebt wird, steht mit nur 40 % überraschend auf unterster Stufe der Anerkennung (Abb.3). Der Blick auf die Geburtenrate überrascht daher weniger: Italien liegt im europäischen Vergleich sehr weit unten.

Quelle: EUROE-DATA-2023


Balkendiagramm über die Anerkennung der Mutterrolle im europäischen Vergleich

Dass Anerkennung der Mutterrolle in der Gesellschaft möglich ist, zeigt Schweden mit 83 % Zufriedenheit, 26 % mehr als in Deutschland (Abb.3). Die Frage ist, wie dies in Schweden mit der geringen väterlichen Übernahme der Kinderbetreuung für Kinder im Vorschulalter einhergeht (Abb.2).

Sollen Diagramm über die Unzufriedenheit mit der Elternzeit und die Leistungen im europäischen Vergleich

Die in Abb.4 und Abb.5 dargestellten Zahlen beziehen sich auf 2024 – durch die Absenkung der Einkommensgrenze für das Elterngeld in Deutschland seit April 2025 auf 175.000 € zu versteuerndem Jahreseinkommen, wird die Einkommenssituation für Mütter während des Mutterschaftsurlaubs in Deutschland höher sein als die hier dargestellten 41 %.

Mütter in Europa wünschen sich gleiche Leistungen für den Wiedereinstieg in den Beruf. Die Hälfte der Mütter profitiert von einer ermöglichten Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Arbeitsplätze (Tab.3), während die andere Hälfte (Tab.6) diese nicht erhalten hat, obwohl der Wunsch vorlag.

Tabellarische Zusammenstellung gewünschter aber nicht erhaltener Leistungen während der Elternzeit im europäischen Vergleich

Die gewünschte Balance zwischen Beruf und Kinderbetreuung überrascht nicht. Während sich Mütter mit Kindern zwischen 0-2 Jahren überwiegend um ihre Familie kümmern wollen, möchten sie später mit Kindern zwischen 3-11 Jahren vermehrt in Teilzeit erwerbsarbeiten. Eine Erwerbsstelle in Vollzeit bevorzugen sie, wenn ihre Kinder 12 Jahre alt werden (Tab.7).

Tabellarische Zusammenstellung der gewünschten Balance zwischen Beruf und Kinderbetreuung

Im europäischen Schnitt liegt Deutschland mittig, einzig bei Kindern zwischen 0-2 Jahren tendieren Mütter in Deutschland mehr dazu, ihre Familie in Vollzeit zu betreuen. Das erklärt sich vermutlich wieder damit, dass in Deutschland Familien häufiger als Kleinstfamilien zusammenleben und Großeltern durch die räumliche Trennung oft nicht in der Nähe sind, während in vielen anderen europäischen Ländern generationsübergreifendes Zusammenleben stärker ausgeprägt ist und Großeltern in der Familie vor Ort einschließt. In großen Teilen Westdeutschlands ist die Betreuungssituation insbesondere von Kindern unter drei Jahren aktuell besonders herausfordernd und dürfte zudem einen Einfluss haben.

Tiefschlag: Die Einkommen der Mütter in Deutschland sinken 7 % mehr als im europäischen Durchschnitt.

Auffallend ist, dass das regelmäßige Einkommen/Gehalt von Müttern in Deutschland 7 % stärker sinkt als im europäischen Vergleich und ihre Anzahl relevanter Aufgaben um 10 % stärker reduziert wurde. Dass Mütter sich infolgedessen 10 % weniger wertgeschätzt fühlen als gleich kompetente Mitarbeitende überrascht daher nicht.

Die Gründe für das stärkere Sinken des regelmäßigen Einkommens von Müttern in Deutschland wurden unter Tab.2 thematisiert. An dieser Stelle wäre es wichtig, sichtbar zu machen, wie stark sich das sinkende Einkommen auf die Sicherung der Rente auswirkt.

Tabellarische Zusammenstellung über die Maßnahmen, die ergriffen aufgrund negative Auswirkungen der Mutterschaft und Karriere im europäischen Vergleich

Frauen, die nach der Geburt ihrer Kinder negative Auswirkungen auf ihre Karriere erfahren, verlassen ihren Arbeitsplatz oder denken zumindest darüber nach – thematisieren aber kaum die Gründe bei ihrem Arbeitgeber. Die meisten Frauen resignieren und unternehmen gar nichts (Tab.8).

Dramatisch: Arbeitgebende verlieren ihre Chance auf strukturelle Verbesserungen.

Für Arbeitgebende bedeutet dies, dass wertvolle Fachkräfte verloren gehen, ohne dass sie aus den Erfahrungen lernen oder strukturelle Verbesserungen anstoßen konnten. Unternehmen sind gefordert, eine Kultur zu etablieren, die patriarchale Muster durchbricht, Familie integriert und echte geschlechtsunabhängige Wertschätzung und Gleichberechtigung ermöglicht.

Mit der Geburt eines Kindes übernehmen Eltern eine Rolle, in der sie für mindestens 18 Jahre lang täglich vor neuen operativen und führenden Herausforderungen und Aufgaben stehen. Sie erwerben Fähigkeiten und Wissen – von sozialer Intelligenz über Arbeitsmethodik bis zur Team- und Führungskompetenz – durch den direkten Umgang mit den täglichen Anforderungen in ihrer Elternschaft.

Mehr unter: Warum Unpaid Care Work relevant für den Arbeitsmarkt ist »

Tabellarische Zusammenstellung der Aufteilung der Haus und Kinderarbeit im europäischen Vergleich

Bei der Wahl der Kinderbetreuung (Tab.10) zeigt sich der große Wunsch nach einem generationsübergreifenden familiären Zusammenhalt, wie er bereits zweimal thematisiert wurde.

Tabellarische Zusammenstellung der ersten Wahl der Kinderbetreuung im europäischen Vergleich

Sehr überraschend ist, dass im europäischen Vergleich Mütter in Deutschland 16 % seltener einen Universitätsabschluss haben (Tab.12). Interessant wären Vergleiche über Schulabschlüsse, Berufsschulabschlüsse und Hochschulabschlüsse.
Die Strukturen an deutschen Hochschulen sind deutlich weniger familienfreundlich als im europäischen Ausland. Darüber hat Frau Prof. Jutta Allmendinger kürzlich im Podcast Good Work gesprochen. Ihre Vermächtnisstudie zeigt, dass junge Menschen in Deutschland oft das Gefühl haben, sich zwischen Karriere und Familie entscheiden zu müssen. Gut ausgebildete Frauen entscheiden sich vermehrt dafür, keine Kinder zu bekommen, sie haben wirtschaftlich schlichtweg mehr zu verlieren.

Quellen: GOOD-WORK-2025 / WZB-2016

Im europäischen Vergleich verdienen in Deutschland 9 % mehr Mütter unterdurchschnittlich, aber 5 % bzw. 6 % mehr Mütter durchschnittlich bzw. überdurchschnittlich.

Tabellarische Zusammenstellung des übernommenen Vaterschaftsurlaubs im europäischen Vergleich

Auffällig ist, dass im europäischen Vergleich 15 % mehr Mütter in Deutschland eine mittlere Berufstätigkeit ausüben und dafür 9 % weniger einfachere und manuelle Tätigkeiten (Tab.12). Im europäischen Mittel ist der Partner Hauptverdiener. Deutschland liegt dabei 6 % höher bei Partner-Hauptverdienern und 7 % niedriger bei gleichberechtigten Verdienerpaaren.

Tabellarische Zusammenstellung der Stichprobe von insgesamt 800 Müttern in Deutschland im europäischen Vergleich zu 9600 Mütter in Europa

Fazit

Diese Studie zeigt sehr deutlich, was wir alle längst wissen: Kindererziehung und Haushaltsführung liegen in der Hauptverantwortung der Mütter! Gleichzeitig wollen und müssen Mütter für ihre Existenzsicherung und aufgrund wirtschaftlicher und politischer Erwartungen einen monetären Beitrag leisten – sowohl Recht als auch Pflicht, um die sie einen harten Kampf führen müssen.

Die Folgen von Doppellast, Kampf und fehlender Anerkennung spiegeln sich in den alarmierenden Zahlen zur psychischen Gesundheit wider. Alarmierend insbesondere, da Frauen prägungsbedingt Überforderung tabuisieren und die Zahlen dennoch so hoch sind.

Die Ergebnisse zeigen einmal mehr, wie wenig gleichberechtigt unser aller Leben ist. Mütter haben kaum eine Chance, die Erwartungen an sie zu erfüllen, geschweige denn ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Was in dieser Studie nicht ersichtlich ist: Die fehlende Gleichberechtigung ist nicht nur mütterseitig, sie ist auch väterseitig. Viele Väter kämpfen gegen ihre Rollenbilder und den Erwartungsdruck an sie, um familiäre Gleichberechtigung zu erreichen.

Was können wir jetzt tun?

Wir Menschen leben in einem System, welches an vielen Stellen nicht mehr zu uns passt. Aber WIR sind es, die darin leben, und somit können auch WIR die Dinge ändern.

Mit Sichtbarkeit. Mit Haltung. Mit Wirkung.

Unpaid Care Work ist die Arbeitgeberin unserer Gesellschaft und gleichzeitig ein Werkzeug für die gesellschaftliche Selbstwirksamkeit. Ohne Kosten. Ohne Verpflichtungen. Greift zu und ändert, was nicht bleiben darf!

Für euch! Für eure Familie! Für die Zukunft eurer Kinder!

Spoiler: Die Möglichkeit, unbezahlte Care-Arbeit wertschätzend auf berufliche Ebene zu heben, wird nicht das einzige Werkzeug von Unpaid Care Work bleiben!

So machst du deine Kompetenzen sichtbar

Neueste Beiträge

14.11.2025

Unpaid Care Work mit dem 1. Vereinbarkeit.jetzt-Award ausgezeichnet

Wir haben gewonnen: Platz 1 in der Kategorie Top NGO/Verein! Am 14. November 2025 wurde der erste Vereinbarkeit.jetzt-Award bei RTL in Köln verliehen. Die Auszeichnung würdigt Organisationen, die sich für eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Beruf und gesellschaftlichem Zusammenhalt einsetzen.

24.09.2025

Medienbildung statt Handyverbot: Tatort Social Media von DigitalSchoolStory

Viele Eltern stehen vor der Frage: Soll ich mein Kind online begleiten, Grenzen setzen oder TikTok, Instagram & Co. lieber gleich verbieten?

04.09.2025

Neurodivergenz und Care-Arbeit: Eltern zwischen Systemversagen und stiller Stärke

In den letzten Jahren hat Neurodivergenz mediale Aufmerksamkeit bekommen – oft begleitet von positiven Narrativen: ADHS als Superkraft, Autismus als Talent, Vielfalt als Bereicherung. Und ja, es gibt Kinder, die gut versorgt sind.

Um ein gutes Surferlebnis zu gewährleisten, verwendet diese Website Cookies

Dazu gehören notwendige Cookies, die für das Funktionieren der Website notwendig sind sowie andere, die nur für anonyme statistische Zwecke, für Komfort-Einstellungen oder zur Anzeige personalisierter Inhalte verwendet werden. Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass je nach Ihren Einstellungen möglicherweise nicht alle Funktionen der Website zur Verfügung stehen.

Welche Funktional Cookies wir nutzen

Beschreibung des Dienstes:

Dieser Service ermöglicht es Autoren, Lizenzgebühren für ihre sprachlichen Werke zu erhalten.

Verarbeitendes Unternehmen

Verwertungsgesellschaft WORT (VG WORT)
Rechtsfähiger Verein kraft Verleihung, Untere Weidenstraße 5, 81543 München, Germany

Datenschutzbeauftragter des verarbeitenden Unternehmens

Nachfolgend finden Sie die E-Mail-Adresse des Datenschutzbeauftragten des verarbeitenden Unternehmens.vgw@vgwort.de

Zweck der Daten

Diese Liste stellt die Zwecke der Datenerhebung und -verarbeitung dar.

  • Geistiges Eigentum
  • Einholen von Lizenzgebühren

Genutzte TechnologienIn dieser Liste sind alle Technologien aufgeführt, die dieser Dienst zur Datenerfassung verwendet.

  • Cookies

Gesammelte Daten

Diese Liste enthält alle (persönlichen) Daten, die von oder durch die Nutzung dieses Dienstes gesammelt werden.

  • Sitzungs-ID
  • Aufgerufene Texte
  • Cookie-Informationen
  • Anonymisierte IP-Adresse
  • Universelle eindeutige Identifikatoren

Rechtliche Grundlage

Im Folgenden wird die erforderliche Rechtsgrundlage für die Verarbeitung von Daten genannt

  • Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f DSGVO

Ort der Verarbeitung

Dies ist der primäre Ort, an dem die gesammelten Daten verarbeitet werden. Sollten die Daten auch in anderen Ländern verarbeitet werden, werden Sie gesondert informiert.

  • Europäische Union

Aufbewahrungsdauer

Die Aufbewahrungsdauer ist die Zeitspanne, in der die gesammelten Daten für die Verarbeitung gespeichert werden. Die Daten müssen gelöscht werden, sobald sie für die angegebenen Verarbeitungszwecke nicht mehr benötigt werden.

  • Daten werden gelöscht, sobald sie für die Verarbeitungszwecke nicht mehr benötigt werden.

Datenempfänger

Im Folgenden werden die Empfänger der erhobenen Daten aufgelistet.

  • Verwertungsgesellschaft WORT (VG WORT)

Klicken Sie auf den folgenden Link, um die Datenschutzbestimmungen des Datenverarbeiters zu lesen: https://www.vgwort.de/hilfsseiten/datenschutz.html

Ihre Cookie-Einstellungen wurden gespeichert.